WACHSTUM / STRUKTUR / PLANUNG

Als ich vor vielen Jahren in einer Anwaltskanzlei beschäftigt war, wurde uns ein Konkurs zugewiesen, der mir bis heute in Erinnerung blieb.

Es handelte sich dabei um ein Softwareunternehmen, dass verschiedene Arten von Firmensoftware herstellte. Die Firma wurde von einem EDV-Speziallisten gegründet, der sich erfolgreich um Start-up-Kapital bemühte. Ausgestattet mit finanziellen Mitteln, ging er daran, Programmierer einzustellen. Die Umsätze stiegen rasant an, die Kosten ebenso.

Aber wie viele solcher Geschichten: der Anfangserfolg trieb den Unternehmensgründer vor sich her. Er war fraglos ein ausgewiesener EDV-Spezialist, hatte aber von Unternehmensführung keine Ahnung und schlug auch das Angebot seines Finanzgebers, ihm einen zweiten Geschäftsführer zur Seite zu stellen, aus. Die Firma wuchs rasant, auf Grund mangelnder Kommunikation und fehlender Kontrolle agierten einige Angestellte sehr eigenständig, übernahmen Aufträge oder lehnten andere ab. Es gab so gut wie kein Back-Office, die Buchhaltung war mangelhaft, Strukturen fehlten, niemand wusste, wer wofür verantwortlich war, niemand traf Entscheidungen und der Unternehmensgründer selbst fühlte sich zunehmend überfordert. Schließlich wurde er krank, fiel für mehrere Wochen aus und das ganze Unternehmen brach wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Hochqualifizierte Mitarbeiter verließen das Unternehmen, zum Teil ohne Projekte, an denen sie arbeiteten zum Abschluss zu bringen. Manche wechselten direkt zu ehemaligen Kunden.

Dadurch konnten Aufträge nicht rechtzeitig fertiggestellt werden und in einigen Fällen wurden Pönale Zahlungen fällig. Der Masseverwalter benötigte mehrere Wochen, um aus den vorhandenen Unterlagen festzustellen, welche offenen Forderungen das Unternehmen noch hatte.

Dabei hatte der Geschäftsführer noch Glück im Unglück. Sein Kreditgeber hatte den Kredit als Risikokapital investiert – ohne nennenswerte Besicherung und als EDV-Spezialist, der er fraglos war, fand er bald wieder eine Anstellung.

Dieses Beispiel zeigt, wie viele andere übrigens auch, denn dieser Fall ist bei weitem kein Einzelfall, das Unternehmen, die wachsen dies nur ungefährdet tun können, wenn es einen Plan gibt. Eine Struktur (oder Ordnung), die sich der Unternehmensgröße anpasst und vor allem einer Vision, wo die Reise hingehen soll. Mag sein, dass sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass diese Vision von der Realität eingeholt wird, dann muss man sie allenfalls anpassen.

Aber Unternehmen, die ohne Planung und ohne stabile Strukturen rasch wachsen haben ein sehr großes Risiko zu scheitern.

Wenn Sie sich für dieses Thema interessieren, informieren Sie sich auch über unsere Workshops. Näheres finden Sie hier: https://mechesbc.at/workshops/.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.